Information der Eisenbahnfreunde Jünkerath e.V.

Ausgabe Nr. 1/2012

 

 

 Liebe Leser!

Eigentlich wollten wir das Jahr 2011 nach unserem Jubiläum ruhig ausklingen lassen. Doch mögliche tiefgreifende Entscheidungen bezüglich unseres Museums machten diesem Vorhaben ein jähes Ende. Der Besitzer des Gebäudes, der Kreis Vulkaneifel in Daun, entschied aus Spargründen, das sich seit 20 Jahren darin betriebene Eisenmuseum, im Rahmen des „Kommunalen Entschuldungsfonds“ zu schließen, was gleichzeitig auch entscheidende Auswirkungen auf den Weiterbestand unseres „Kleinen Jünkerather Eisenbahn - Museums“ gehabt hätte. Verhandlungen mit der Kreisverwaltung und Abstimmungen im Kreistag über die Art und Weise einer möglichen Weiterführung des Museums durch einen anderen Betreiber folgten. Es war spannend. Neue Betreiber wie die Ortsgemeinde Jünkerath kamen ins Spiel. Auch Privatpersonen wollte man nicht ausschließen. Für die Eisenbahnfreunde als Betreiber des Eisenbahn - Museums blieb nur: Abwarten! Doch den Mut und die Hoffnung auf eine für uns gute und akzeptable Lösung des Problems gaben wir nie auf. Für uns galt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Dabei gehen wir mittlerweile davon aus, dass mit großer Sicherheit eine der beiden Varianten greifen wird und wir mit unserem Museum in jedem Fall im Gebäude bleiben können. So hat es uns jedenfalls der Landrat, Herr Onnertz, immer wieder zugesichert. Egal, wer nun wirklich das Gebäude übernimmt, für uns wird das im Prinzip nichts ändern.

Nach dem nun höchstwahrscheinlich gesicherten Weiterbestand des Eisenbahn - Museums können wir uns auch wieder getrost anderen interessanten - und vor allen Dingen wieder - Eisenbahnthemen widmen.

Am 30. Juni 2012 diesen Jahres wiederholt sich zum 100sten Mal der Eröffnungstag der Strecken
Dümpelfeld - Lissendorf - Jünkerath,
Jünkerath - Losheim - Weywertz und
Hillesheim - Gerolstein.
 

Da versteht es sich von selbst, dass wir als Eisenbahnverein vor Ort, dieses Jubiläum nicht unbemerkt an uns vorbeiziehen lassen. Immerhin ist - oder mittlerweile wohl besser - war Jünkerath der bedeutendste Bahnknotenpunkt für all diese Strecken.
Da gehört es dazu, sich der überaus interessanten Geschichte einer dieser Strecken, nämlich des Abschnitts Dümpelfeld - Lissendorf - Jünkerath einmal etwas genauer und intensiver anzunehmen. Dafür ist vor allem unser rühriges Vereinsmitglied Manfred Jehnen verantwortlich. Er, der die Ahrstrecke als seine Hausstrecke bezeichnet, hat sich seit Jahren sehr intensiv mit ihrer Geschichte befasst und sie in Wort und Bild in einem Buch dokumentarisch festgehalten. Natürlich wird dieses Buch zum 100-jährigen Jubiläum der Strecke erscheinen. In DIN A 4 - Größe, mit ca. 240 Seiten, davon viele in Farbe und mit ca. 320 Abbildungen kann das Buch ab Sommer des Jahres vom Verein zum Preis von 29,50,- € (im Vorverkauf: 26,50 €) erworben werden.
In diesem Zusammenhang sollten Sie sich unbedingt den 16. September 2012 notieren. Dann nämlich wird der Autor, Manfred Jehnen, sein Buch vorstellen und zwar dort, wo genau vor 100 Jahren die Eröffnungsfeierlichkeiten stattfanden: Im Wartesaal 1. Klasse des Bahnhofs Jünkerath.

Lange vorher wird allerdings wieder unsere Saison eröffnet - und zwar im Eisenbahn - Museum. Wie schon seit längerem praktiziert, beginnen wir mit einem Vortrag im Rahmen „Zeitreise Eisenbahn“. Michael Heinzel wird als Fortsetzung seines Vortrages vom November 2011 die Eisenbahnlinien im deutsch-belgischen Grenzraum genauer beleuchten. Eine auf Grund ihrer bewegten Geschichte sicherlich spannende Angelegenheit, die sich jeder an der Eisenbahngeschichte des hiesigen Raumes interessierte Eisenbahnfreund auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte.
Sie sehen: Auch nach dem Jubiläum geht es mit dem Verein konstant und (hoffentlich) erfolgreich weiter. Dieser Meinung ist jedenfalls

Ihr/Euer

Wolfgang Kreckler


Chronik des Vereins

07.11.2011 Kreistagsitzung mit Beschluss über die Schließung des Eisenmuseums   in
                Jünkerath.
15.11.2011 Vorstandsgespräch im Café Regnery
19.11.2011 Vortrag von Michael Heinzel im Rahmen „Zeitreise Eisenbahn“ mit dem
                Thema: Die Strecke Jünkerath - Losheimergraben
03.12.2011 Informationsveranstaltung der Kreistagsmitglieder über die beiden Museen
                in Jünkerath
12.12.2011 Erneute Kreistagssitzung mit dem Thema: Schließung, bzw. Weiterführung
                des Eisenmuseums
19.12.2011 Gemeinderatssitzung in Jünkerath mit Beschluss: Zu bestimmten
                 Bedingungen übernimmt die Gemeinde das Museumsgebäude vom Kreis
                 und betreibt die Museen weiter.
06.02.2012 Vorstandssitzung im Café Regnery


Dümpelfeld – Lissendorf – Jünkerath oder „Die Geschichte zum Buch“
(Manfred Jehnen)

Ich hätte im Traum nicht daran gedacht, dass ich in meinem Leben einmal ein Buch schreiben würde. Worüber sollte ich auch schreiben? So dachte ich früher. Aber seitdem wir bei den Eisenbahnfreunden Jünkerath intensive Dokumentations- und Museumsarbeit betreiben, drängen sich die Themen für Bücher oder Broschüren geradezu auf. Doch der Reihe nach…

Eigentlich beginnt die Geschichte des Buches über die Ahrstrecke bereits vor der offiziellen Museumseröffnung. 2007 reifte der Gedanke, eine Vortragsreihe ins Leben zu rufen. Gesagt, getan: 2008 wurde unter dem Motto „Zeitreise Eisenbahn“ der erste Vortrag in den damaligen Vereinsräumlichkeiten, dem heutigen Eisenbahn-Museum, gehalten. Thema war die längst stillgelegte Strecke Ahrdorf – Blankenheim (Wald). Wir zählten etwas über 30 Besucher. 2009 war dann die Strecke Dümpelfeld – Lissendorf an der Reihe. Diesmal waren es schon über 60 Besucher. Die Strecke scheint eine magische Anziehungskraft zu besitzen. Zu Gast war auch der Bürgermeister von Dümpelfeld, der spontan fragte, ob man den Vortrag nicht in Dümpelfeld wiederholen könne. Das haben wir natürlich gerne gemacht und kamen so zu unserem ersten „Auswärtsspiel“. Auch in Dümpelfeld fand der Vortrag viel Anklang und die Vortragsreihe hat sich zwischenzeitlich durch gute Themen, gute Referenten und eine gute Aufbereitung zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Als wir uns dann im Frühjahr 2010 im Vorstand der EFJ dazu entschlossen, die Aufarbeitung von Eisenbahngeschichte unter der Überschrift „Zeitreise Eisenbahn“ nicht nur als Vortragsreihe sondern nun auch als Publikationsreihe auf die Schiene zu setzen, war das erste Thema schnell klar: die Ahrstrecke!

Neben der Gewissheit, ein auch für die Leserschaft interessantes Thema zu bearbeiten, kamen weitere Aspekte dazu:

        dank der umfangreichen Planunterlagen, die der Verein in seinem Plan-Archiv
           aufbewahrt, verfügen wir über eine gute und umfassende Grundlage für das
           Buch
        darüber hinaus konnten wir auf eine Reihe von Fotos und anderen Dokumenten
           zurückgreifen, die ich selber oder Vereinskameraden im Laufe der Zeit über die
           Strecke gesammelt haben
        durch mein jahrelanges Interesse für die Strecke musste ich von meinem
           Kenntnisstand her nicht bei null anfangen. Als gebürtiger Ahrdorfer gehört die
           Strecke Dümpelfeld - Lissendorf sozusagen zu meinen „Hausstrecken“

Das einzige Problem war: die Zeit drängte, denn es kamen gleich mehrere Ereignisse zusammen, die mich doch leicht unter Druck setzten. Das Buch sollte in 2012, dem Jubiläumsjahr der Strecke, erscheinen. Gleichzeitig war aber für 2011, zum 25-jährigen Vereinsjubiläum der Eisenbahnfreunde Jünkerath, eine Ausstellung zum Bau der Ahrstrecke und eine dazu passende Broschüre geplant, die auf der einen Seite eine gute Dokumentation darstellen, andererseits aber auch nicht zu viel vorweg nehmen sollte. Es wurde also höchste Eisenbahn und so haben wir in der Ausgabe 3/2010 der EFJ-Info erstmalig einen Aufruf gestartet, der uns zusätzliches Bildmaterial und andere wichtige Dinge bringen sollte. Ende 2010 / Anfang 2011 wurde der Aufruf dann auch in die Presse gebracht, im Wochenspiegel, im Köln-Bonner, in der Kölnischen Rundschau, in diversen Bürgerbriefen usw. Sie alle brachten unser Buchprojekt ins Gespräch. Darüber hinaus haben wir natürlich die zur Verfügung stehenden Internetseiten genutzt, allen voran unsere eigenen Seiten www.eisenbahnfreunde-juenkerath.de und www.eisenbahnmuseum-juenkerath.de aber auch einschlägige Fachseiten wie www.eifelbahnforum.de. Insgesamt kann man heute sagen, dass die Unterstützung, die wir bekommen haben, außerordentlich gut war. Es haben sich einige ehemalige Eisenbahner gemeldet, die zumindest die letzten Jahre und das Ende der Strecke noch selbst erlebt und teilweise mit Fotos dokumentiert haben. Darüber hinaus gibt es auch einige Eisenbahnfreunde, die aus Freude am Hobby an der Strecke fotografiert oder selber Informationen und Unterlagen gesammelt haben. Auch interessierte Heimatforscher und „ganz normale Menschen“ ohne besonderen Bezug zur Eisenbahn haben sich gemeldet und das ein oder andere Bild zur Verfügung gestellt. So verfügen wir mittlerweile über den bildlichen Beweis des Einsatzes der badischen Baureihe 75.1-3 auf der Ahrstrecke. Lassen Sie sich einfach mal überraschen. Über die Gespräche mit den Unterstützern kamen dann weitere Kontakte zustande, die wiederum zu guten Ergebnissen führten. Langer Rede kurzer Sinn: wir haben bisher alles rechtzeitig geschafft und auch genügend Material zusammenbekommen, um ein hoffentlich für den Leser interessantes Buch schreiben zu können.

Einen kleinen Einblick konnten die Besucher unserer Jubiläumstage im vergangenen Jahr gewinnen. Die gezeigte Ausstellung kam gut an und von dem Begleitheft zur Ausstellung sind nur noch wenige Exemplare übrig. Das macht Mut für den Verkauf des Buches, das etwa 240 Seiten umfassen wird, also das 10-fache des Begleitheftes.
Für mich selbst waren besonders die Themen spannend, die in der einschlägigen Literatur eher eine untergeordnete Rolle spielen. Die Recherche dieser Aspekte macht zwar viel Mühe, aber diese Mühe wird mehr als belohnt, wenn sich daraus interessante und bislang (mir jedenfalls) unbekannte Sachverhalte ergeben. Beispiele gefällig?
Wissen Sie, wie damals die Genehmigung einer Eisenbahnlinie vor sich ging, wer die Verantwortlichen waren und welchen Werdegang diese hatten? Bis zur Recherche für das Buch wusste ich das jedenfalls nicht, aber interessiert hat es mich immer. So heißt es in der Literatur oft, dass die Petitionen an den zuständigen Minister geschickt wurden. Wer aber waren diese Minister und welche Maßstäbe legten sie bei ihren Entscheidungen zugrunde? Im Rahmen der langen Vorgeschichte bis zur Genehmigung waren sage und schreibe fünf Minister beteiligt. Derjenige, der dann letztendlich die Entscheidung für den Bau der Strecke fällte, hatte zuvor an der Kriegsakademie in Berlin studiert und sich nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 intensiv mit der militärischen Rolle der Eisenbahnen beschäftigt. War es ein Zufall, dass gerade er – für viele sehr überraschend - die lange ersehnte Genehmigung erteilte?

Ein weiteres Thema sind die Vorarbeiten. Diese waren Grundlage für das weitere Genehmigungsverfahren. In der Literatur heißt es dazu in der Regel nur lapidar: „Der Minister beauftragte die zuständige Eisenbahndirektion mit den allgemeinen Vorarbeiten“. Was aber verstand man zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter „allgemeinen Vorarbeiten“, welchem Zweck dienten sie und was unterschied sie von den „ausführlichen Vorarbeiten“? Auch dieses Kapitel deutscher Eisenbahngeschichte wird im Buch beleuchtet.

Weiteres Beispiel: die Bahnpost. Bis zum Eröffnungstag der Strecke Dümpelfeld – Lissendorf – Jünkerath wurde die Post mit den berühmten Postkutschen befördert. Ein altes Foto zeigt eine solche Kutsche bei einer Rast am Laufenbacher Hof, unweit des späteren Schellenberg-Tunnels. Die Kutsche trägt die Aufschrift „Dümpelfeld – Ahrdorf“. Mit dem 1. Juli 1912 waren die Kutschen nun nicht mehr nötig und ihre Kutscher arbeitslos, denn Adenau – Jünkerath wurde zur Bahnpoststrecke. Auch die Bahnpost ist ein bisher unbeachtetes Kapitel in der Literatur über die Eisenbahnlinien in unserer Region. Welche Züge waren mit Bahnpostwagen versehen, welche gesetzlichen Grundlagen gab es dafür, wie lief der Bahnpostverkehr in der Praxis ab, wie lange gab es die Bahnpost überhaupt auf der Ahrstrecke? All das sind interessante Fragen, auf die im Buch eingegangen wird.

Die Recherche zu diesem Thema führte mich zur Bundesarbeitsgemeinschaft Bahnpost mit Sitz in Weiskirchen im Saarland. Auch dort habe ich große Hilfsbereitschaft erfahren und zwar gleich doppelt. Nach meiner Bitte um Informationen kam schnell die Rückmeldung, dass man mir Unterlagen Zusammenstellen würde. Lange Zeit hörte ich nichts. Dann kam die Nachricht, dass die Unterlagen auf dem Weg nach Jünkerath seien. Doch dort kamen sie nie an. Ob es nun ein Fehler bei der Post war oder an anderer Stelle, wird sich nie klären lassen. Jedenfalls begann alles wieder von neuem. Die Kollegen in Weiskirchen, auch alles ehrenamtlich Tätige wie wir, waren verständlicherweise wenig begeistert, denn man hatte sich keine Kopien gemacht. Alle Unterlagen mussten neu recherchiert, kopiert und zusammengestellt werden. Schließlich kam beim zweiten Versuch alles wohlbehalten bei mir an.

So könnte man Geschichte um Geschichte erzählen, aber es soll ja nicht zu-viel verraten werden. Nur noch soviel: neben den erwähnten (und weiteren) besonderen Themen wird im Buch natürlich auch das erzählt, was der Leser ohnehin von einem solchen Buch erwartet: die Geschichte der Strecke von der ersten Idee im 19. Jahrhundert bis zur Stilllegung und darüber hinaus bis zum heutigen Zustand, der durch Fahrradwege geprägt ist. Darüber hinaus wird jeder Bahnhof vorgestellt, natürlich jeweils mit einem Gleisplan aus dem Jünkerather Eisenbahn-Museum. Neben den Bahnhöfen geht es auch um die privaten Gleisanschlüsse links und rechts der Ahrstrecke.
Das Buch ist zwar noch nicht ganz fertig, aber ich kann jetzt schon sagen, dass es mir einen Riesenspaß bereitet hat, es zu schreiben. Durch die Veröffentlichung dieses Buches wird nicht nur eine Lücke in der regionalen Eisenbahnliteratur geschlossen. Durch die Recherche wurden auch viele Dinge und so manches Foto vor dem Vergessen und vor der Vernichtung bewahrt. Ich bin sehr gespannt darauf, wie das Buch bei Ihnen und den anderen Lesern ankommt!

Um eine Weisheit von Sepp Herberger umzuwandeln: nach dem Buch ist vor dem Buch! Es gibt weitere Themen und Strecken, die durch die Eisenbahnfreunde Jünkerath recherchiert und dokumentiert werden müssen. Wir halten Sie auf dem Laufenden!
Danken möchte ich an dieser Stelle allen, die in irgendeiner Weise zum Gelingen dieses Buches beigetragen haben oder noch beitragen werden. Dazu zählen natürlich die Bildautoren und die Menschen, die Fotos, Dokumente, Pläne etc. zur Verfügung gestellt haben aber auch alle, die durch fachlichen Rat, durch motivierende Unterstützung und andere Dinge mehr geholfen haben, dass das Buch über die Ahrstrecke kurz vor der Fertigstellung steht.

Wenn Sie noch Informationen oder Unterlagen haben, können Sie sich immer noch melden! Ich will bewusst keinen Redaktionsschluss verkünden. Fotos und Dokumente können noch relativ problemlos eingebaut werden. Bei den Informationen wird es mittlerweile schwierig, aber das Wichtigste ist, dass nichts verloren geht, denn selbst, wenn das Buch fertig ist und präsentiert wird, schreiben wir weiter an der Geschichte der Ahrstrecke! Versprochen!


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